Sprachgenie Emil Krebs

Emil Krebs Bild vergrößern (© OASE Verlag ) Vor 120 Jahren gab es zwar noch keine Europäische Union; der Sprachendienst des Auswärtigen Amts hatte aber einen Mitarbeiter, der nahezu alle heutigen Sprachen der EU - sowie auch außereuropäischer Länder - sprach. 

Achtundsechzig Sprachen sollen es gewesen sein, in Wort und Bild. Bis heute gilt Krebs, dessen aktive Zeit in die Jahre von 1893 bis 1930 fällt, als eines der größten Sprachwunder der Menschheitsgeschichte. Im Auswärtigen Amt hieß es damals: "Er ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter." Er sammelte Sprachkenntnisse mit einer Leidenschaft, die allein dem Phänomen der menschlichen Sprache galt. Dabei ging es Krebs nicht in erster Linie darum, in allen seinen Sprachen zu kommunizieren. "Er schwieg in 45 Sprachen", sagte eine seiner Tischdamen nach einem offiziellen Essen. Emil Krebs wollte vielmehr den Aufbau und die "Philosophie hinter der Sprache" verstehen.

Nun ist im OASE Verlag eine Monographie erschienen, die Emil Krebs und seine herausragende Begabung würdigt. Es geht aber auch um das Verhältnis von Sprache und Diplomatie sowie um eine Epoche, in der man sich erstmals den Herausforderungen weltweiter Diplomatie jenseits der Grenzen Europas stellen musste. Es war die Zeit, in der Friedrich Nietzsche von "planetarischer Politik" sprach und damit die Herausforderungen der Globalisierung beschrieb.

Eckhard Hoffmann, der Großneffe von Emil Krebs, hat für den vorliegenden Band unermüdlich Material zusammengetragen und eigene Forschungen angestellt. Er hat darüber hinaus den Sprachendienst des Auswärtigen Amtes zu weiteren Untersuchungen angeregt, die zu Ausstellungen über Emil  Krebs und eben auch zu diesem Buch geführt haben.

Ob in Deutsch oder in einer der zahlreichen Sprachen, die Krebs beherrschte, es gelte, den "Geist der Sprache" aus dem Original in die Übersetzung zu retten, sagt Herausgeber Peter Hahn. So betrachtet, seien Übersetzer und Dolmetscher, ob sie nun als Einzelgänger oder Eigenbrötler angesehen werden, vor allem "Kuriere des Geistes", die Menschen und Kulturen miteinander verbinden. Dem Volk aufs Maul schauen, das hatte bereits im Jahr 1530 Martin Luther im "Sendbrief vom Dolmetschen" empfohlen: Man muss den Leuten "auff das maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetzschen."


Sprachgenie Emil Krebs

Lutherbibel

Informationen zum Leben von Emil Krebs

Blick auf ein originales Übersetzungsmanuskript Martin Luthers zum Alten Testament von 1530 auf der Wartburg in Eisenach